Schloss Stadl

Schloss Stadl, ein ehemaliges Wasserschloss, führt seinen Namen auf das Rittergeschlecht der Stadl zurück, die hier nachweislich von 1265 an einen befestigten Hof besaßen, den sie 1540 zum Herrschaftssitz ausbauten. Die Brüder Hans und Christoph von Stadl errichteten in den Jahren um 1600 den Schlossbau als von Westen nach Osten sich erweiternden, unregelmäßigen Gebäudekomplex um einen länglichen Hof. Sie sicherten ihn durch zwei Wassergräben und einen dazwischen aufgeworfenen Erdwall, der den heute frei stehenden Torturm flankierte. Reste des äußeren Wassergrabens sind auch heute noch auf der Nordseite sichtbar. Der Torturm enthält ein steinernes Zugbrückenportal, das von den bemalten Steinskulpturen zweier geharnischter Männer auf Sockeln flankiert wird, denen über der Portalverdachung zwei weibliche Figuren zugeordnet sind. Ob die noch etwas steifen Skulpturen Hans André und seinen Bruder Christoph von Stadl mit ihren Gemahlinnen darstellen sollen, ist nicht erwiesen. Auf jeden Fall findet sich hier das früheste mit lebensgroßen Statuen geschmückte Portal der steirischen Schlossbaukunst, das den Beginn des Frühbarocks markiert. Dieses wurde wahrscheinlich von dem Bildhauer Philibert Pocabello geschaffen.

Ältester Teil des Schlosses ist der Tortrakt mit Zugbrückenportal in Rustikalrahmung (für den inneren Wassergraben), dem eine kleine Nebentür angefügt ist. Darüber befindet sich ein großes Wappenfresko der Stadl und Galler. Die in der Steiermark berühmte Katharina Elisabeth Freifrau von Galler – nicht nur die „schlimme Lisl“ genannt, sondern auch Erbauerin der Riegersburg – war nämlich in dritter Ehe mit einem Hans Rudolf Freiherrn von Stadl verheiratet und deshalb vorübergehend Besitzerin von Schloss Stadl.

Eindrucksvoll ist der Innenhof, der trotz seiner Unregelmäßigkeiten durch die Säulenarkaden zu einem reich gegliederten Ganzen von hohem Reiz zusammengefasst ist. Im Südtrakt befinden sich zwei hohe Räume mit Stuckdecken des Mailänders Giuseppe Pazarino, geschaffen im 2. Viertel des 17. Jahrhunderts, mit Allegorien der vier Jahreszeiten.

Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte Schloss Stadl einen oftmaligen Besitzerwechsel. Während der letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs wurden aus Sicherheitsgründen Teile des Archivs des Joanneums aus Graz im Schloss beherbergt. Als im Jahre 1945 die russische Besatzungsmacht eintraf, wurden diese wertvollen Archivteile erst recht beschädigt, indem sie von den Soldaten als Verpackungsmaterial verwendet wurden. Bis zu einer Anzahl von 2000 sollen hier vorübergehend einquartiert gewesen sein.

Im Jahre 1966 erwarben Graf und Gräfin Hans und Eleonore Kinsky das Schloss und den dazugehörigen Grundbesitz. Das gesamte Schloss, welches sich in einem sehr desolaten Zustand befand, wurde einer gründlichen Renovierung unterzogen und die Wohnräume nach heutigen Gesichtspunkten modernisiert. Heute versuchen die Besitzer, das zu den bedeutendsten Bauten des Raabtales zählende Bauwerk soweit wie möglich zu erhalten und zu pflegen.